(Medaka Interview) Clemens Scharr (D) Medaka Züchter

Ich freue mich Euch ein weiteres Interview aus der deutschsprachigen Medaka Szene präsentieren zu dürfen. Clemens Scharr gehört ebenfalls zu den älstesten Medaka Haltern/Züchter im deutschsprachigen Raum, und hat die nicht geraden leichten Anfänge bei uns selbst erlebt!

Clemens Scharr

Axel Eywill
Hallo Clemens und herzlichen Dank, dass ich Dich für medakaproject.com interviewen darf. Du bist Halter und Züchter von japanischen Reisfischen, dem Medaka. Wie bist Du zu dieser Art gekommen, und was fasziniert Dich an ihnen?

Clemens Scharr:
Hallo Axel, ich bin über den Bericht in der Amazonas auf Reisfische gestoßen. Ich musste ein paar Monate zuvor meine 15.000Liter Kelleranlage auflösen und war Aquaristisch etwas ausgehungert. Die einfache Haltung auf dem Balkon und die winzigen kleinen Fische war etwas ganz Neues für mich, ganz was anderes als Tropheus und Petrochromis die ich vorher Jahrelang pflegte. Mich faszinierte die scheinbar endlose Variantenanzahl und die Möglichkeit etwas eigenes zu kreieren, womit ich aber erst letztes Jahr beginnen konnte.

Medaka Teich beleuchtet


Axel Eywill
Wie waren dann Deine Anfänge in der Aquaristik? Und welche Tiere hältst Du noch zuhause?

Clemens Scharr:
Ich bin an einem Bach aufgewachsen, weit ab von anderen Kindern. Die Eltern der nächsten Kinder waren dann auch noch Inhaber einer Forellenanlage. Meine ganze Kindheit drehte sich um Fische und alles was so in einem Bach fleucht. Selbst heute, mit über 50, schaue ich bei jeder Brücke noch ins Wasser oder drehe ab und an einen Stein um, nur um zu sehen, was da so krabbelt. Mein erstes Aquarium hab ich mir mit 18 gekauft und mit Malawi-Barschen bunt besetzt. Später bin ich dem Tanganjikasee verfallen und hab viele Jahre verschiedenste Arten gepflegt. Bin dann bei den Aufwuchsfressern „hängen“ geblieben. Ich werde auch nochmal ein Tanganjika Becken aufbauen…irgendwann 😉.
Wir haben heute im Wohnzimmer ein „normales“ Aquarium mit Schwertträgern, Welsen und Guppys, die Sucht erkennt man erst wenn man mein Arbeitszimmer oder den Garten betritt. Im Zimmer gibt es 21 kleine Becken von 25-60Litern und draußen etwa genauso viele Bottiche von 60-500Litern und einen kleinen Teich. Die meisten sind mit Medaka, Endler oder Neocaridina Varianten besetzt.


Axel Eywill
Wie kamst Du zu deinen ersten Medaka?

Clemens Scharr:
Meine ersten Medaka hab ich von dir bekommen, AO-Medaka und ich hab dich bestimmt ganz schön genervt. Es waren einfach keine in Deutschland zu bekommen. Über Facebook hab ich Kontakte nach Italien geknüpft und von dort meine Hi-Medaka Eier zugeschickt bekommen. Da saß ich dann vor der weißen Schüssel und konnte den Schlupf der Larven kaum abwarten. Nach einer Woche wollte ich endlich Fische und keine Eier mehr anstarren. Kurzerhand hab ich Fische in Italien bestellt. Ich kann die Anfänger gut verstehen, wie ungeduldig man ist, wenn die ersten Larven schlüpfen. Heute ist es dagegen einfach an Varianten zu kommen, hab auch einen kleinen Anteil daran😊.

Medaka Miniteich

Axel Eywill
Medaka haben außerhalb Japans eine noch recht kurze Geschichte. Du bist einer der ältesten Medaka Halter & Züchter im deutschsprachigen Raum. Die Fangemeinde wächst international langsam aber sicher. Wie siehst Du die Entwicklung international und natürlich besonders im deutsch sprachigen Raum?

Clemens Scharr:
Das stimmt, Medaka sind erst in den letzten Jahren bekannter geworden. Gerade der Trend zum Miniteich/Balkonteich puscht gerade die Verbreitung. Leider haben viele kaum Erfahrung mit Aquaristik/Teichhaltung. Da ist noch viel Wissen zu verbreiten. Ich bin ja auf Facebook viel unterwegs und versuche da Informationen weiterzugeben oder Fragen zu beantworten. Den Bücher zu Medaka gibt es nur auf Japanisch. Sehr schwere
mit den Bildern. Auch ist die Namensgebung, durch die Exporteure und Übersetzungsfehler meist willkürlich und stiftet mehr Verwirrung als Aufklärung. Da ist es umso wichtiger den Verkaufsnahmen exakt beizubehalten, wenn man Tiere weitergibt.
Ich hoffe das die Qualität der Tiere weiter stetig zunimmt, es weniger Teichmixe gibt und mehr junge Menschen sich dafür begeistern. Dafür hab ich einen großen Bottich an die Grundstücksgrenze gesetzt um die Nachbarskinder und auch ältere Spaziergänger zu begeistern. Das kommt sehr gut an und ich konnte schon ein paar Infizieren😉.

Teil der Medaka Nachzucht Anlage


Axel Eywill:
Japan ist uns natürlich um Lichtjahre voraus was den Medaka betrifft. Das gilt insbesondere auch für Medaka Literatur. Bisher gibt es außerhalb Japans nur wissenschaftliche Bücher oder ab und zu Berichte in Aquarium Fachpublikationen (zB. Amazonas). Die Nachfrage an Medaka Literatur außerhalb Japans ist sicher am Wachsen bzw. im kleinen Stil bereits vorhanden. Was würdest Du Dir da persönlich wünschen?

Clemens Scharr:
Im Grunde ist die Haltung/Vermehrung von Medaka kein Hexenwerk. Mit etwas Hilfe kann das eigentlich jeder schaffen. Dafür braucht es kein eigenes Buch, da reichen Berichte in Zeitschriften, Youtube Videos oder eben Facebook aus.
Aber für die Bestimmung von Linien, deren gezielte Zucht, Abstammung untereinander von einzelnen Linien und der genetischen Vererbung von Merkmalen braucht es Kataloge und Bücher. Bei jährlich hunderten neuer Varianten auf dem Markt, braucht es Literatur, da ist uns Japan Jahre voraus. Da würde ich mir zumindest englische Literatur wünschen.

Medaka Angebots Katalog aus Japan


Axel Eywill:
Mittlerweile gibt es einige Medaka Linien in Europa. Meist Dank privater Initiativen. Und Gewerbliche Einfuhren sind bis auf wenige Außnahmen der Medaka in Europa bzw. deutsch sprachigen Raum noch recht unbekannt. Wie wichtig ist für Dich der Handel um den Medaka einer breiteren Öffentlichkeit bekannter zu machen?

Clemens Scharr:
Das ist schwierig, ich habe versucht einen Händler vor Ort zu begeistern. Aber gegen Guppy und co schneiden Medaka im Aquarium nicht so gut ab. Ihr Potenzial spielen sie im Miniteich aus. Aber gerade hier hat der klassische Zooladen keine Präsentationsfläche übrig. Dazu ist das Zubehör für Miniteiche eigentlich nicht vorhanden. Das sind alles Punkte die einen Zooladen, der wirtschaftlich arbeiten muss, abschrecken. Wenn der Trend zum Miniteich aber weiterhin anhält, werden auch Produkte dazu angeboten und dann wird auch der Handel auf den Zug springen. Ob das dann gut für Medaka und vor allem für die Qualität gut sein wird, kann ich nicht absehen. Ich denke das weiterhin Mundpropaganda und Online Angebote wichtig sein werden!

Medaka tri color

Axel Eywill:
Und meine letzte Frage – was wünschst Du Dir als Medaka-Halter für die Zukunft dieser Tiere? Gibt es noch etwas, das Du sagen möchtest? Vielleicht etwas im Hinblick auf die Aquaristik?

Clemens Scharr:
Ich wünsche mir mehr junge Menschen begeistern zu können. Außerdem das weniger Teichmixe angeboten werden. Das wilde mischen von Varianten mag zwar schön bunt aussehen, doch führt es, über einen längeren Zeitraum, zum Aussterben spezifischer Merkmale und Varianten. Dabei gibt es doch so schöne bunte Varianten mit individueller Zeichnung.

Clemens vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Dir eine erfolgreiche Medaka Saison 2020 und das Deine Wünsche in der Zukunft wahr werden!

 

(Medaka Interview) Rabea Hatt (D) Medaka Züchterin

Ich freue mich auch dieses Jahr hoffentlich ein paar Interviews für Euch online stellen zu dürfen. Das Verzeichnis findet Ihr oben in der Menü Leiste unter „Interviews“. Für internationale Medaka Fans steht hier im Blog oben rechts das Übersetzungstool von Google zur Verfügung!

Als ersten Interview Gast möchte ich Euch Rabea Hatt vorstellen. Sie ist die vom Zeitraum her älteste Medaka Halterin/Züchterin im deutschsprachigen Raum und damit eine der ersten Frauen überhaupt, die sich außerhalb Japans mit dem Medaka beschäftigen und auch dem Medaka Virus verfallen sind. Einigen von Euch ist sie wohl von Facebook her bekannt, da sie dort in einigen Medaka Facebook Gruppen aktiv unterwegs ist. Seit 2019 hat sie auf Facebook eine eigene Medaka Seite und ist dort als „Medaka Tante“ bekannt!

 

Axel Eywill:
Hallo Rabea und herzlichen Dank, das ich Dich für medakaproject.com interviewen darf. Du bist Halterin und Züchterin von japanischen Reisfischen, den Medaka. Wie bist Du zu dieser Art gekommen, und was fasziniert Dich an ihnen?

Rabea Hatt:
Hallo Axel und vielen Dank für das Interview Du bist Schuld an meiner Medakasucht 😉 Ich glaube, es war 2015 als ich bei Dir die ersten Medaka gesehen habe, damals bin ich dir noch gefolgt, als Du noch Endler hattest 😉 Ich komme eigentlich aus der Terraristik und hatte zuvor Königspythons. Durch Umzug habe ich mich umorientiert und kam dank dir zu den Medaka. Was mich fasziniert, ist das, je nach Stamm, unkomplizierte an den Fischen. Damals gab es nicht so viel Auswahl, aber die Tiere waren robust und verzeihten auch mal Anfängerfehler. Der perfekte Umstieg also 🙂

Medaka „Black Tainakou Hiyakushiki“

Axel Eywill:
Wie waren denn Deine Anfänge in der Aquaristik? Und welcheTiere hältst Du noch zuhause?

Rabea Hatt:
Mein Einstieg in die Aquaristik erfolgte zunächst tatsächlich über Betta, wunderschöne Charaktertiere❤ Danach folgten Guppys, wobei ich mich da bald auf Endler eingeschossen hatte. Und dann kam da jemand mit Medaka ^^. Außer Medaka pflege ich derzeit noch einen Channa und 2 Katzen, einen Perserkater, Fluffy, und eine Don Sphynx, Yukiko.

Medaka Miniteich & ein Teil Ihres Outdoor Bereiches

Axel Eywill:
Wie kamst Du zu den Medaka und was fasziniert Dich persönlich an Ihnen?

Rabea Hatt:
LieberAxel, Du bist schuld ^^ Die ersten Medaka, welche ich gesehen habe, waren Himedaka. Da war die Neugier geweckt und überein Portal fand ich Roberto Pellegrini und Miyuki SuperHikari 🙂 Mich fasziniert die Vielfältigkeit der Medaka und ihre Genügsamkeit. Es gibt inzwischen viele Varianten und man möchte am liebsten alle sammeln^^.

Heranwachsende Medaka „Yellow Head clear scales“; noch nicht komplett ausgefärbt!

 

Axel Eywill
Medaka haben außerhalb Japans eine noch recht kurze Geschichte. Du bist die älteste weibliche Medaka Halter & Züchterin im deutschsprachigen Raum. Die Fangemeinde wächst international langsam aber sicher. Wie siehst Du die Entwicklung international und natürlich besonders im deutschsprachigen Raum?

Rabea Hatt:
Der Medaka wird immer populärer, was natürlich an sich etwas Gutes ist. Dennoch sehe ich dem aktuellen Trend insofern kritisch entgegen, als dass mehr auf Masse, als auf Qualität geachtet wird. Da wurde in den letzten Jahren gepfuscht und ich wünsche mir, dass die Leute wiede rmehr auf Qualität der Tiere schauen. Auch gute Tiere müssen nicht teuer sein. Ich freue mich aber,dass der Medaka inzwischen viele Fans hat. Als ich angefangen habe, konnte man die Halter an einer Hand abzählen und die Varianten waren sehr überschaubar. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass der Medaka einen festen Platz in der Aquaristik findet, aber ich hoffe, dass er nicht zur Massenware wird wie der Guppy.

Heranwachsende Medaka „Miyuki Super Hikari“

Axel Eywill:
Japan ist uns natürlich um Lichtjahre voraus was den Medaka betrifft. Das gilt insbesondere auch für Medaka Literatur. Bisher gibt es außerhalb Japans nur wissenschaftliche Bücher oder ab und zu Berichte in Aquarium Fachpublikationen (zB.Amazonas). Die Nachfrage an Medaka Literatur außerhalb Japans ist sicher am Wachsen bzw. im kleinen Stil bereits vorhanden. Was würdest Du Dir da persönlich wünschen?

Rabea Hatt:
Die Literatur aus Japan ist sicher interessant, aber seien wir ehrlich, es sind für uns in Deutschland schlicht weg Bilderbücher. Ich würde mir wünschen, dass die Texte zumindest in Englisch erhältlich wären, so das Medakafans international davon profitieren könnten . In Deutschland haben wir das Glück, dass gerade Friedrich Bitter immer wieder fachliche Beiträge in der Amazonas bringt, oder Du mit Deinem Blog. Auch finde ich, das wir uns inzwischen was die Zucht angeht, nicht mehr vor den Japanern verstecken müssen. Klar haben wir nicht die Masse an Tieren, aber was die Qualität angeht, haben wir hier durchaus einige gute Züchter.

Medaka Literatur aus Japan

Axel Eywill:
Mittlerweile gibt es einige Medaka Linien in Europa. Meist Dank privater Initiativen. Und gewerbliche Einfuhren sind bis auf wenige Außnahmen selten, der Medaka in Europa bzw. deutschsprachigen Raum noch recht unbekannt. Wie wichtig ist für Dich der Handel um den Medaka einer breiteren Öffentlichkeit bekannter zu machen?

Rabea Hatt:
Der Handel ist in sofern wichtig, als dass ja immer noch nicht jeder in den sozialen Netzwerken unterwegs ist und nur so an Tiere kommt. Dennoch hat man es tatsächlich geschafft, den Medaka auch ohne Handel populärer zu machen. Der Anstieg an Medaka Interessenten von 2019 auf 2020 ist Wahnsinn.

Medaka „Silver Back – Maou x Gecko Hikari“

Axel Eywill:
Und meine letzte Frage, was wünschst Du Dir als Medaka Halterin für die Zukunft dieser Tiere? Gibt es noch etwas, das Du sagen möchtest? Vielleicht etwas im Hinblick auf die Aquaristik?

Rabea Hatt:
Wie schon erwähnt, wünsche ich mir, dass wieder mehr auf die Qualität der Medaka geachtet wird. Ich sehe so oft Leute, die sich über ihre Tiere freuen und als Züchter bekomme ich dann fast einen Schreikrampf, weil die Tiere Knicke oder Mopsköpfe haben. Solche Tiere würde ein Züchter nicht an die Leute abgeben. Abschließend kann ich aber sagen, dass es sehr erfreulich ist, dass der Medaka seinen Platz in der Miniteichszene gefunden zu haben scheint, und ich hoffe, dass das noch lange so bleiben wird 🙂

Vielen Dank Rabea für das Interview und ich wünsche Dir eine erfolgreiche Saison 2020 und das hoffe man sieht sich dieses Jahr noch auf dem ein oder anderen Medaka Treffen.

(Medaka Interview) Friedrich Bitter (D)

Hiermit startet das vor ein paar Tagen bereits angekündigte Blog Projekt. Zukünftig möchte ich hier Interviews mit nationalen, sowie internationalen Medaka Haltern und Züchter führen und natürlich für Euch veröffentlichen. Sicher ist es nicht nur für mich interessant und spannend mehr über andere Leute aus der Medaka Szene zu erfahren, und Ihre Meinungen zu gewissen Themen zu hören!

Besonders freue ich mich darüber das Friedrich Bitter auf meine Anfrage bzgl. dem Interview gleich zugesagt hatte. Herr Bitter ist in der Aquaristik Szene sicher kein Unbekannter. Durch seine ausführlichen Berichte in zwei Ausgaben der AMAZONAS (darüber wurde im Blog berichtet) zusammen mit seinem japanischen Freund Fumitoshi Mori hat es den Medaka Freunden einigen Zulauf im deutsch sprachigen Raum und international beschert!

Friedrich Bitter

Axel Eywill

Hallo Friedrich und herzlichen Dank, dass ich Dich für medakaproject.com interviewen darf. Du bist Halter und Züchter von japanischen Reisfischen, den Medaka. Wie bist Du zu dieser Art gekommen, und was fasziniert Dich an ihnen?

 

Friedrich Bitter

 

Aus dem Nordwesten der Republik unser typisches Moin, Moin zurück. Eine Farbform von Oryzias latipes, die wir früher als „Gold-Medaka“ bezeichnet haben, habe ich vorübergehend in den 1970er Jahren gepflegt. Die gab es damals im Zoofachhandel. Später konnte ich mit japanischen und chinesischen Freunden diese Art und/oder O. sinensis in China fangen.
Richtig infiziert mit dem Medaka-Virus (wenn man das so nennen darf) wurde ich dann von meinem Freund Fumitoshi Mori, der mich anlässlich einer Japanreise mit verschiedenen Züchtern bekannt machte, mich mit Informationen versorgte und sich bis heute nicht zu schade ist, alle meine Fragen erschöpfend zu beantworten.

japanische Medaka Base book Serie, Herausgeber: Fumitoshi Mori

Worin die spezielle Faszination der Medaka liegt, ist nicht so einfach zu beschreiben. Sicherlich muss man da an erster Stelle die Vielfalt an Farben und Mustern nennen, aber für mich, der ja ein paar Aquarien und Becken mehr zu betreuen hat, haben sie einfach auch praktische Vorteile. Sie kommen mit unserem hiesigen Leitungswasser sehr gut zurecht, sind auch hinsichtlich der Haltung und Zucht unproblematisch, können vom späten Frühjahr bis in den Spätherbst im Freien gehalten werden – da stimmt einfach das Gesamtpaket.

Outdoor Zuchtanlage von Masaharu Abe auf dem Dach

 

Axel Eywill

Wie waren dann Deine Anfänge in der Aquaristik? Und welche Tiere hältst Du noch zuhause?

Friedrich Bitter:

Seit grauer Vorzeit … – aber ernsthaft: Bei mir fing das relativ früh an, so 1960/61. Ich kann mich schemenhaft daran erinnern, dass wir im Wohnzimmer ein offenes Rahmenaquarium hatten, das völlig mit Pflanzen zugewuchert war. Und dann gab es da den Besuch beim Onkel meines Vaters, Werner Zuschlag, der in Dortmund einen ganzen Raum mit Aquarien besaß und vor allem Killifische pflegte. Ich denke, das spezielle Raumklima mit den typischen Gerüchen hat sich bei mir, positiv belegt, im Kopf festgesetzt. Und so kamen mit der Zeit und über die Jahre immer mehr eigene Aquarien hinzu, erst im eigenen Zimmer, dann im Keller und mittlerweile im ebenerdigen Zuchtraum und mehreren Foliengewächshäusern.

Zuchtkeller bei Friedrich Bitter

Wenn es um die Fische geht, die ich halte und meist auch nachzüchte, so würde es hier den Rahmen sprengen, alle Arten aufzuzählen. Da mein Aquarienraum mit Temperaturen zwischen 19 und 22 °C relativ kühl gefahren wird, konzentriere ich mich auf Fische, die damit gut zurechtkommen. Das sind häufig solche, bei denen ich die Ausgangstiere selbst gefangen habe, etwa westafrikanische Killifische, asiatische Grundeln und Bergbachschmerlen oder Fische aus dem Südosten der USA. In letzter Zeit kamen noch so einige Spezies aus Asien – insbesondere aus Myanmar und Indien – als kommerzielle Importe hinzu.

Wenn die Frage nach den Tieren über die Aquaristik hinausgeht und wir aus dem „Du“ ein „ihr“ machen, wird die Liste länger. Thüringer Waldziegen, Kunekune-Schweine, Enten, Gänse, Schifferhühner und Lakenfelder Hühner, dazu ein Altdeutscher Hütehund und ein Deutscher Pinscher, Molche, Pfeilgiftfrösche, Schildkröten – sicherlich habe ich da noch einiges vergessen.

Deutscher Pinscher

 

 

Axel Eywill

Medaka werden schon ziemlich lange in Gefangenschaft gehalten. Was kannst Du uns über deren Geschichte erzählen?

 

Friedrich Bitter

Dass die Japaner Reisfische seit mehreren Hundert Jahren pflegen, ist aus der Literatur bekannt. Dazu gibt es beispielsweise gemalte Bilder entsprechenden Alters, die Medaka zeigen, allerdings in leicht stilisierter Form. Aber ich habe auch mal ein wenig geforscht, seit wann man denn die Tiere in Deutschland kennt, die ja bereits 1850 als Poecilia latipes von Temminck & Schlegel wissenschaftlich beschrieben wurden. Ott hat vor beinahe 40 Jahren zum gleichen Thema einen lesenwerten Beitrag in der DATZ verfasst, der mit meinen Recherchen weitgehend übereinstimmt. So wurden nach einer Quelle erstmals 1897 Japanische Reisfische von einem Arzt aus Hamburg lebend eingeführt, eine andere nennt sogar das Jahr 1865 für die Ersteinfuhr des „Japanischen Goldhechts“, bei dem es sich um die rote Zucht von O. latipes handelte.

Medaka Männchen aus der Yang Guifei Gruppe

Jedenfalls gab Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur mehrere, meist kommerzielle Importe, zwischen 1898 und dem Beginn des 1. Weltkriegs wurden auch zahlreiche Beiträge über diese damals noch Reiskärpflinge genannten Fische in den „Blättern“ und „Wochenschriften“ publiziert. Auch wenn es dann nach dem 1. Weltkrieg ruhiger um diese Art wurde, ab und an scheint man sich mit den Fischen doch beschäftigt zu haben. Also: Medaka sind aquaristisch nicht wirklich neu – in Deutschland kennen Aquarianer sie seit über 120 Jahren. Nur waren sie zwischendurch lediglich Insidern bekannt bzw. nicht allgemein verfügbar.

 

 

Axel Eywill

Medaka haben außerhalb Japans eine noch recht kurze Geschichte. Du bist einer der Ersten Medaka Halter & Züchter außerhalb Japans gewesen. Die Fangemeinde wächst international langsam aber sicher. Wie siehst Du die Entwicklung international und natürlich besonders im deutsch sprachigen Raum?

 

Friedrich Bitter

Ich habe meinen Fokus erst relativ spät auf Medaka-Varianten gelegt, nämlich im Jahr 2015. Erbfeste Zuchtformen gibt es in Japan mittlerweile weit mehr als 1.000. Da bin ich mit meinen rund 50 japanischen Formen beinahe noch ein Waisenknabe.

Für mich geht die Tendenz bei der Medaka-Zucht bzw. den Varianten auch bei uns in Europa hin zu den Formen, die besonders bei der Draufsicht auffallen. Machen wir uns nichts vor: Aquaristisch muss der Reisfisch mit der gesamten Palette der Zierfische konkurrieren. Als Besatz für kleine Teiche, Becken, Wasserläufe und Bottiche ist er aber praktisch konkurrenzlos. Das muss sich vielleicht erst noch herumsprechen, aber ich sehe ja in unserem Onlineshop, wie die Nachfrage von Jahr zu Jahr ansteigt.

Dabei sind uns die Südeuropäer, insbesondere die Italiener eventuell um einiges voraus, was wohl vor allem mit dem wärmeren Klima zu tun hat. Wenn man aber sieht, wieviele Besitzer von Balkonen, Terrassen und/oder Gärten es bei uns in Deutschland gibt – da geht in der Zukunft sicher noch viel mehr.

Axel Eywill:

Japan ist uns natürlich um Lichtjahre voraus was den Medaka betrifft. Das gilt insbesondere auch für Medaka-Literatur. Bisher gibt es außerhalb Japans nur wissenschaftliche Bücher oder ab und zu Berichte in aquaristischen Fachmagazinen (z.B. der Amazonas). Die Nachfrage nach Medaka-Literatur außerhalb Japans ist sicher am Wachsen bzw. zumindest in kleinem Umfang bereits vorhanden. Da Du ja im Verlagswesen tätig bist, wie stehen die Chancen auf ein Medaka-Buch in englischer oder sogar deutscher Sprache?

Friedrich Bitter:

Ich finde es aufregend, in welch kurzer zeitlicher Reihenfolge in Japan Bücher und Magazine mit dem Schwerpunkt Medaka veröffentlicht und verkauft werden. Die Zahl der Liebhaber geht aber – ganz vorsichtig geschätzt – in die Hunderttausende. Es gibt mehrere Medaka-Vereine und zahlreiche regionale Veranstaltungen. Und da auch die Anzahl versierter Züchter enorm groß ist, geht den Autoren der Stoff praktisch nie aus.

Selbstverständlich wird es bei uns oder international in absehbarer Zeit Bücher zum Thema Medaka geben. Aber ich warne vor Schnellschüssen: Wer hat denn außerhalb Japans den Überblick bzw. kann ausreichend praktische Erfahrung einbringen? Schöne Fotos zu zeigen ist das eine, aber es sollten doch auch Informationen zu Haltung und Zucht vermittelt werden, die über das hinausgehen, was bei Instagram, Facebook & Co. zu lesen ist. Und – ganz wichtig – für den Verlag: Es muss ausreichend Interesse geben. Da sind wir zunächst mit unseren Fischen gefragt.

 

Axel Eywill:

Mittlerweile gibt es einige Medaka-Linien in Europa. Meist Dank privater Initiativen. Gewerbliche Einfuhren sind bis auf wenige Ausnahmen in Europa bzw. dem deutschsprachigen Raum noch Mangelware. Wie wichtig ist für Dich der Handel, um den Medaka einer breiteren Öffentlichkeit bekannter zu machen?

 

Friedrich Bitter:

In diesem Jahr wird die Öffentlichkeit mehrfach Gelegenheit haben, auf Spezialveranstaltungen wie der Leistungsschau der Deutschen Killifisch Gemeinschaft oder Messen rund um die Aquaristik bzw. den Gartenteich die Reisfische hautnah zu erleben. Aber nicht jeder weiß, wo die Medaka ausgestellt werden – und die Zeit muss man ja auch noch mitbringen. So kommt zunächst Zoofachgeschäften, Onlineshops oder Zierfischbörsen die Aufgabe zu, entweder durch Präsentation oder mit Hilfe von Fotos und Videos die Japanischen Reisfische ins richtige Licht zu rücken.

Show Becken mit Medaka

Axel Eywill:

Und meine letzte Frage – was wünschst Du Dir als Medaka-Halter für die Zukunft dieser Tiere? Gibt es noch etwas, das Du sagen möchtest? Vielleicht etwas im Hinblick auf die Aquaristik?

 

Friedrich Bitter:

Von den Medakafreunden und -züchtern würde ich mir wünschen, dass sie die Geduld aufbringen können, einen Schritt nach dem anderen machen. Es gibt so viele attraktive Zuchtformen aus Japan, die erbfest sind. Warum nicht einfach diese von der Qualität her erhalten bzw. verbessern? Zu häufig sieht man allerdings, dass mit Tieren unterschiedlicher Linien hin und her gekreuzt wird, weil ja die ultimative Farbform dabei herauskommen könnte. Leider entspricht das Ergebnis meist nicht den Erwartungen und die Halter sind dann oft von den Nachzuchten enttäuscht.

 

Medaka sind wegen ihrer Anpassungsfähigkeit und Ausdauer ideale Einstiegsfische in die Aquaristik. Mit ihnen lassen sich erste Erfahrungen mit der Vermehrung sammeln, Jung und Alt sind begeistert, wenn der Fischnachwuchs knapp unter der Wasseroberfläche nach Nahrung sucht. Und wer weiß, vielleicht öffnen sie ja auch manchem die Augen für Natur und Umwelt – auch wenn es sich eigentlich um Zuchtformen einer einzigen Art handelt. Aber Fische mit Suchtpotenzial!

Outdoor Zuchtanlage von Friedrich Bitter

Herzlichen Dank Friedrich für das Interview und zahlreiche Bildmaterial. Der Medaka hat sicher viel Potenzial um sich in der Aquaristik langfristig zu etablieren, und Menschen die bisher mit der Aquaristik wenig zu tun hatten, dieses Hobby näher zu bringen. Ich freue mich schon auf die kommende DKG Leistungsschau in Stuttgart Ende Mai, und der damit verbundenen erstmaligen Medaka Bewertungs Show.

Gastbeitrag über Medakas im weScape Blog

Über meine Medaka Beiträge auf Facebook wurde ich von einem Administrator des weScape Blogs gefragt, ob ich bereit wäre einen kurzen Beitrag über Medakas zu schreiben. Dieser Bitte kam ich gerne nach, und möchte mich bei Kim für diese Möglichkeit bedanken, die Medakas weiter bekannt zu machen.

weScape ist ein toller Blog mit der Haupthematik Aquascaping, aber auch Aquarienbewohner kommen nicht zu kurz. Ich kann den Besuch des Blogs nur empfehlen. Wer sich für meinen Beitrag interessiert, findet Ihn unter dem folgenden Link.

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Was sind Medakas?  Gastbeitrag im weScape Blog